MES und ERP: Warum moderne Produktion beide Systeme braucht

Beitrag von Alexander Harder

Leiter Business Unit MES

Veröffentlicht: 24. Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze

ERP-Systeme planen Unternehmensprozesse und verwalten Aufträge, Ressourcen und Materialien. Für die operative Steuerung der Fertigung reichen diese Informationen jedoch häufig nicht aus. Ein Manufacturing Execution System (MES) ergänzt das ERP um Echtzeitdaten aus der Produktion und schafft Transparenz über Aufträge, Maschinen und Prozesse. Gemeinsam bilden ERP und MES die Grundlage für einen vernetzten Digital Shopfloor und durchgängige Prozesse vom Auftragseingang bis zur Fertigung.

 

Was ist ein ERP-System? 

ERP steht für Enterprise Resource Planning. ERP-Systeme unterstützen Unternehmen dabei, ihre zentralen Geschäftsprozesse zu planen, zu steuern und zu verwalten.

Dazu gehören unter anderem die Auftragsverwaltung, Materialwirtschaft, Lagerlogistik, Beschaffung, Personalplanung sowie Finanz- und Controllingprozesse. Das ERP bildet damit die organisatorische und kaufmännische Grundlage eines Unternehmens.

Für produzierende Unternehmen ist das ERP häufig die zentrale Informationsquelle. Hier werden Kundenaufträge angelegt, Materialien disponiert, Kapazitäten geplant und Termine koordiniert.

Kurz gesagt: Das ERP sorgt dafür, dass die richtigen Ressourcen zur richtigen Zeit verfügbar sind und Produktionsaufträge überhaupt durchgeführt werden können.

Mehr zum ERP-System und seinen Funktionen

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ERP-Systeme unterstützen insbesondere

  • Auftragsmanagement
  • Materialwirtschaft und Einkauf
  • Lagerverwaltung
  • Vertrieb und Kundenmanagement
  • Personalplanung
  • Finanzwesen und Controlling

 

Wo ERP-Systeme an Grenzen stoßen 

Die eigentliche Herausforderung beginnt jedoch häufig erst dann, wenn ein Auftrag in die Produktion übergeht.

Denn die Realität auf dem Shopfloor verändert sich oft schneller als jede Planung. Maschinen fallen ungeplant aus, Prioritäten ändern sich kurzfristig, Mitarbeitende fehlen oder Qualitätsprobleme führen zu Verzögerungen.

Produktionsleiter benötigen deshalb Informationen, die über klassische ERP-Daten hinausgehen. Sie müssen wissen, welche Aufträge aktuell bearbeitet werden, wo Engpässe entstehen, wie hoch die tatsächliche Auslastung ist oder welche Störungen die Produktion beeinträchtigen.

ERP-Systeme liefern wichtige Planungsdaten. Für die operative Steuerung der laufenden Fertigung fehlen jedoch häufig aktuelle Informationen direkt aus der Produktion.

Die Folge sind manuelle Rückmeldungen, Excel-Listen, Medienbrüche oder zeitverzögerte Entscheidungen.

Was macht ein MES? 

Ein Manufacturing Execution System (MES) schließt die Lücke zwischen Unternehmensplanung und Fertigung.

Das MES erfasst und verarbeitet Produktionsdaten direkt auf dem Shopfloor. Es verbindet Maschinen, Mitarbeitende und Prozesse und schafft damit Transparenz über den tatsächlichen Zustand der laufenden Produktion.

Mehr zum Böhme & Weihs MES

Während das ERP vor allem die Frage beantwortet, was produziert werden soll, liefert das MES Informationen darüber, was tatsächlich gerade passiert. Produktionsverantwortliche erhalten einen aktuellen Überblick über Aufträge, Maschinenzustände, Störungen, Auslastungen und Qualitätsdaten. Dadurch lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen und Maßnahmen schneller einleiten.

Gleichzeitig unterstützt das MES Mitarbeitende direkt am Arbeitsplatz – beispielsweise durch digitale Werkerführung, strukturierte Arbeitsabläufe oder aktuelle Informationen zu Produktionsaufträgen. Kurz gesagt: ERP plant. MES steuert.

 

Einblicke in die Digitale Werkerführung mit MES

Webcast: Werkerführung mit B&W MES

Typische Funktionen eines MES 

Ein modernes MES unterstützt Unternehmen entlang des gesamten Produktionsprozesses. Dazu gehören unter anderem Feinplanung und Fertigungsmonitoring, die Erfassung von Betriebs- und Maschinendaten, digitale Werkerführung, Instandhaltung sowie die Analyse von Leistungs- und Qualitätskennzahlen.

MES-Funktionen im Überblick

ERP und MES im Vergleich 

ERP und MES werden häufig miteinander verglichen. Tatsächlich verfolgen beide Systeme jedoch unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich gegenseitig. Unternehmen benötigen daher nicht ERP oder MES, sondern ERP und MES.

ERP MES

  • Plant Unternehmensprozesse 
  • Verwaltet Aufträge und Ressourcen 
  • Fokus auf kaufmännische Prozesse 
  • Langfristige Planung 
  • Unternehmensweite Sicht 

  • Steuert die laufende Produktion 
  • Erfasst Produktionsdaten in Echtzeit 
  • Fokus auf operative Fertigung 
  • Kurzfristige Steuerung 
  • Shopfloor-Sicht 

 

Wie arbeiten ERP und MES zusammen? 

Der größte Nutzen entsteht durch das Zusammenspiel beider Systeme. 

Das ERP stellt dem MES die relevanten Planungsinformationen zur Verfügung – beispielsweise Produktionsaufträge, Stücklisten, Arbeitspläne oder Materialinformationen. 

Das MES ergänzt diese Daten um aktuelle Informationen aus der Fertigung. Dazu gehören Maschinenzustände, Produktionsfortschritte, Qualitätsdaten, Störmeldungen oder Rückmeldungen aus den Arbeitsbereichen. 

So entsteht ein durchgängiger Informationsfluss zwischen Planung und Produktion. 

Wie ERP, MES und Shopfloor zusammenarbeiten

MES und ERP – Warum moderne Produktion beide Systeme braucht

Beispiel aus der Praxis

  1. Ein Auftrag wird im ERP angelegt und an das MES übergeben.

  2. Das MES plant den Auftrag in die laufende Fertigung ein, verteilt ihn auf verfügbare Ressourcen und überwacht die Ausführung in Echtzeit.

  3. Während der Produktion werden Betriebs-, Maschinen- und Qualitätsdaten automatisch erfasst. Diese Informationen stehen den Verantwortlichen unmittelbar zur Verfügung und fließen anschließend zurück in das ERP. Dadurch arbeiten Planung, Produktion und Management auf einer gemeinsamen Datengrundlage.

Warum Vernetzung immer wichtiger wird 

Die Anforderungen an produzierende Unternehmen steigen kontinuierlich. Kleinere Losgrößen, eine höhere Variantenvielfalt, steigende Qualitätsanforderungen und zunehmender Kostendruck erfordern eine flexible und transparente Produktion.

Viele Unternehmen verfügen heute bereits über leistungsfähige Systeme für ERP, Produktionssteuerung, Qualitätsmanagement oder Energiemanagement. Die Herausforderung besteht jedoch häufig nicht in der Verfügbarkeit von Daten, sondern in ihrer Nutzung. Informationen liegen in unterschiedlichen Systemen vor, werden mehrfach erfasst oder stehen den Mitarbeitenden nicht dort zur Verfügung, wo sie benötigt werden.

Die Folge sind Datensilos, Medienbrüche und aufwendige Abstimmungsprozesse.

Der eigentliche Mehrwert entsteht deshalb nicht durch einzelne Anwendungen, sondern durch ihre Vernetzung. Wenn

ERP, MES, Qualitätsmanagement und weitere Systeme wie beispielsweise Energiemanagement auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenarbeiten, entstehen durchgängige Prozesse. Informationen fließen automatisch zwischen Planung, Produktion und Qualitätssicherung. Entscheidungen basieren auf aktuellen Daten statt auf manuellen Auswertungen oder Erfahrungswerten.

Genau hier setzt der Digital Shopfloor an: Er schafft die Grundlage für durchgängige Prozesse und verbindet Menschen, Maschinen und Systeme auf einer gemeinsamen Datenbasis. So entsteht jene Transparenz, die moderne Fertigungsunternehmen für schnelle Entscheidungen und kontinuierliche Verbesserungen benötigen.

 

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Typische Merkmale eines Digital Shopfloor 

  • Echtzeitdaten aus der Produktion
  • Durchgängige Prozesse ohne Medienbrüche
  • Vernetzung von ERP, MES und weiteren Systemen
  • Transparenz über Abteilungsgrenzen hinweg
  • Datenbasierte Entscheidungen

 

Proalpha ERP und Böhme & Weihs MES: Eine gemeinsame Datenbasis 

Als Teil der Proalpha Group verbindet Böhme & Weihs die operative Fertigungssteuerung mit dem ERP-Ökosystem von Proalpha. Das Böhme & Weihs MES erweitert das Proalpha ERP um die operative Ebene der Produktion und schafft einen durchgängigen Datenfluss zwischen Planung und Shopfloor. Gemeinsam schaffen Proalpha ERP und Böhme & Weihs MES die technologische Grundlage für einen Digital Shopfloor, in dem Informationen ohne Medienbrüche zwischen Planung, Produktion und Qualität fließen. Produktionsaufträge, Ressourcen, Maschinen und Mitarbeitende arbeiten auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammen. Informationen stehen dort zur Verfügung, wo sie benötigt werden – von der Arbeitsvorbereitung über die Produktion bis zum Management.

Fertigungssteuerung mit MES – Prozesse in Echtzeit steuern

Moderne Fertigungssteuerung mit MES: Was erfolgreiche Projekte anders machen

Darüber hinaus profitieren Unternehmen von der Einbettung in die Digital-Shopfloor-Strategie der Proalpha Group. Produktionssteuerung, Qualitätsmanagement, Energiemanagement und KI-Anwendungen können miteinander vernetzt werden und schaffen die Grundlage für durchgängige Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 

Das Ergebnis sind mehr Transparenz, schnellere Entscheidungen und eine höhere Effizienz in der Fertigung. 

 So profitieren Unternehmen vom Digital Shopfloor


Fazit

ERP und MES verfolgen unterschiedliche Aufgaben, bilden gemeinsam jedoch die Grundlage für eine transparente und vernetzte Produktion. Während das ERP die Unternehmensprozesse plant und verwaltet, sorgt das MES für Transparenz und Steuerung in der laufenden Produktion. Unternehmen profitieren von einer besseren Datenbasis, schnelleren Reaktionszeiten und einer höheren Planungssicherheit.

Wer die digitale Transformation seiner Fertigung vorantreiben möchte, sollte ERP und MES daher nicht als konkurrierende Systeme betrachten. Gemeinsam bilden sie die Grundlage für einen vernetzten Digital Shopfloor, in dem Menschen, Maschinen und Systeme auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenarbeiten.

Erst durch diese Vernetzung entstehen die Transparenz, Reaktionsfähigkeit und kontinuierlichen Verbesserungen, die moderne Fertigungsunternehmen für ihre Wettbewerbsfähigkeit benötigen.

 

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Noch Fragen?

Andere fragten sich..
  • Ja. ERP-Systeme unterstützen die Planung und Verwaltung von Unternehmensprozessen. Für die operative Steuerung der laufenden Fertigung fehlen häufig Echtzeitinformationen aus der Produktion. Diese liefert ein MES.
  • Typischerweise werden Aufträge, Stücklisten, Arbeitspläne und Stammdaten vom ERP an das MES übergeben. Produktionsrückmeldungen, Qualitätsdaten, Maschineninformationen und Fertigmeldungen fließen zurück ins ERP.
  • Ein MES eignet sich besonders für Unternehmen, die ihre Produktion transparenter gestalten, Ressourcen effizienter einsetzen, Prozesse standardisieren und schneller auf Veränderungen reagieren möchten.
  • Ja. Moderne MES-Lösungen verfügen über standardisierte Schnittstellen und können in bestehende ERP-Landschaften integriert werden.
  • Unternehmen profitieren von einem durchgängigen Datenfluss, höherer Transparenz, besserer Termintreue, schnelleren Entscheidungen und einer fundierten Grundlage für kontinuierliche Verbesserungen.

Weitere Infos? Dann schreib uns eine E-Mail!

 

Alexander Harder

Leiter Business Unit MES

Alexander Harder verantwortet als Leiter der Business Unit MES die Weiterentwicklung der produktionsnahen Systeme von Böhme & Weihs. Seit 2017 unterstützt er Unternehmen bei der Analyse, Planung und Umsetzung ihrer Digitalisierungsstrategie – basierend auf langjähriger Erfahrung aus zahlreichen MES-Projekten sowie aus leitenden Tätigkeiten in produzierenden Betrieben. Sein Fokus liegt auf effizienten, durchgängigen und modernen Fertigungsprozessen.