MIT MES DIE DINGE INS ROLLEN GEBRACHT

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Der Konkurrenzkampf in der Branche ist hart, das allgemeine Qualitätsniveau überragend. Trümpfe, die hier noch stechen, sind kurze Lieferzeiten und schnelle Reaktionen auf Kundenwünsche. Mit der Einführung eines webbasierten MES-Systems schickt sich die NTN Kugellagerfabrik GmbH an, in diesen Punkten neue Bestmarken zu setzen.

Die Dinge ins Rollen zu bringen, darauf versteht man sich bestens bei der NTN Kugellagerfabrik GmbH im niederbergischen Mettmann. Das Unternehmen ist deutsche Tochter der NTN Corporation, einem der Weltmarktführer für Wälzlager, Antriebsgelenke, Linearmodule, Spann- und Umlenkrollen sowie Aufhängungskomponenten.

Mit weltweit mehr als 24.000 Mitarbeitern, 73 Standorten und 118 Verkaufsniederlassungen zählt die NTN Corporation zu den Big Playern dieses Technologiesektors. 14 Produktionsstandorte hat der Konzern in Europa.

Wälzlager, hydraulische und mechanische Riemenspanner – diverse Artikel im Sortiment

Die NTN Kugellagerfabrik GmbH ist der Fertigungsstandort für das äußerst breite Wälzlagersortiment des Konzerns. Es umfasst diverse Artikel mit Bohrungsdurchmessern von 10 bis 120 Millimetern und ist damit eines der größten und diversifiziertesten am Weltmarkt. Abnehmer sind vor allem die Automobilindustrie sowie der gesamte Maschinenbau.

Im seit 2018 bestehenden SPB-Bereich (Super Precision Bearings = Hochgenauigkeitslager) des Mettmanner Werks fertigt NTN Präzisionslager mit P42 Qualität (P4-Formgenauigkeit und P2 Laufgenauigkeit). Das bedeutet die Einhaltung der Bohrungstoleranz im Mikrometerbereich. Produkte also von höchster dimensionaler Güte.

„Aber machen wir uns nichts vor“, bremst Andreas Kotulla, Qualitätsmanager bei NTN in Mettmann die Begeisterung. „In Sachen Fertigungsqualität tun wir Premiumanbieter der Branche uns alle nichts. Da sind wir Hersteller auf Augenhöhe unterwegs. Wettbewerbsvorteile erkämpft man sich auch durch kürzere Lieferzeiten und höhere Flexibilität im Vergleich zu den Marktbegleitern. Und da schaffen wir gerade neue Tatsachen!“

Was ihn so gelassen-freudig auf die Kräfteverteilung im Konkurrenzkampf blicken lässt, sind die ersten Auswertungen zu Produktivität und Ressourcennutzung nach erfolgreicher Implementierung eines Manufacturing Execution Systems (MES) im Herbst 2019. „Auch wenn uns Corona – wie praktisch allen Unternehmen – im Frühjahr und Sommer 2020 nicht leicht zu bewertende Kennzahlen beschert hat, so ist der Trend doch mehr als deutlich. Ich gehe dank Einführung des MES von einer Produktivitätssteigerung um annähernd 30 Prozent aus,“ zeigt sich Andreas Kotulla überzeugt.

Ziel: Lieferzeiten um die Hälfte reduzieren

„Ich halte es sogar für realistisch, durch die optimierte Ressourcenplanung die Lieferzeiten im Ergebnis um die Hälfte zu verkürzen“, prognostiziert Andreas Kotulla. Ein nur schwer zu überstechender Trumpf im umkämpften Wettbewerb der Wälzlageranbieter.

Was den Qualitätsverantwortlichen bei NTN in Mettmann so zuversichtlich nach vorn blicken lässt, ist die Effektivität der ausgewählten MES-Lösung. „Wir haben uns dabei für eine innovative Variante entschieden, die sich wesentlich vom Konzept gängiger MES-Systeme unterscheidet. Für eine vollständig webbasierte Lösung.“ Genauer: für die Software MESQ-it der deutschen Böhme & Weihs Systemtechnik GmbH & Co. KG aus Wuppertal.

Alexander Harder, Fachbereichsleiter MES-Vertrieb bei Böhme & Weihs, skizziert den Konzeptgedanken: „MESQ-it ist die erste MES-Lösung, die einen völlig neuen Weg geht. Fort vom Modulgedanken, hin zu einem funktionsbasierten und ganzheitlichen Arbeitsbereich – ohne Umschalten und ohne Modulwechsel. So können zusammenhängende Arbeitsschritte durchgängig bearbeitet werden. Exakt so, wie es den Prozessen des Anwenders entspricht.“

Und in der Tat, die Lösung präsentiert sich bestechend intuitiv. In ihr stehen programmseitig sämtliche MES-Funktionen nach VDI-Richtlinie 5600 kompakt in nur einem Modul bereit, von denen NTN zahlreiche nutzt. Webbasiert ausgelegt, läuft MESQ-it ohne zusätzliche Installation auf jedem Endgerät von PC über Tablet bis Smartphone und unter jedem beliebigen Webbrowser. Damit sind die Informationen und Funktionen für den Anwender jederzeit und überall greif- und nutzbar – ob am Arbeitsplatz, mobil im Unternehmen, auf Dienstreise oder im Homeoffice. Dies bei uneingeschränkter Funktionsfähigkeit.

ERP, CAQ und MES sinnvoll verknüpft

Unabhängig von diesen augenfälligen Vorteilen gab es für NTN aber auch weitere Gründe, sich für die Lösung des Wuppertaler Systemhauses zu entscheiden. „Wir haben bereits seit einigen Jahren etliche Module der CAQ-Software CASQ-it von Böhme & Weihs im Einsatz und damit beste Erfahrungen gemacht. Vor allem auch, was die Flexibilität und Kundenorientierung dort angeht“, erklärt NTN-Qualitätsmanager Andreas Kotulla.

Grundsätzlich ist es immer sinnvoll, in diesem Leistungsbereich einen Anbieter zu wählen, der als Lösungspartner beide Bausteine – CAQ und MES – aus einer Hand anbietet. Solche ganzheitlichen Lösungen vermeiden Redundanzen bei der Datenerfassung und Auswertung. Im Zusammenspiel ermöglichen MES und CAQ eine ganzheitliche Betrachtung der Produktions- und Prozessqualität. Den Anwendern im Unternehmen bietet sich zudem eine durchgängige und damit gewohnte Bedienoberfläche. Nicht zuletzt bedeuten CAQ und MES aus einer Hand auch eine deutliche Kostenersparnis, da ein Mehraufwand zur Vernetzung der Systeme, etwa über eine individuelle Schnittstelle, entfällt.

Vor diesem Hintergrund war es laut Andreas Kotulla für NTN keine Frage, auch den nächsten Schritt zusammen mit Böhme & Weihs zu gehen.

Und dieser Schritt war ein entscheidender, um Prozessschritte weiter zu automatisieren. „Es gab im vorherigen Status keinerlei Verbindung zwischen dem CAQ-System und dem vorhandenen ERP-System. Auch die Fertigungs- und Messmaschinen waren nicht angebunden“, fasst Alexander Harder die Ausgangssituation zusammen. Somit mussten sämtliche Maschinendaten manuell in Excel-Sheets erfasst sowie Messwerte von Hand in das ERP-System übertragen werden. Ein Vorgehen, das naturgemäß mit enormem Zeitaufwand und ebensolchem Fehlerrisiko behaftet war.

Fehlerquellen drastisch reduziert

Durch die jetzt mit Implementierung des MES realisierte Verknüpfung aller drei Systeme – MES, CAQ und ERP – gehören diese „Sollbruchstellen“ für NTN der Vergangenheit an. MESQ-it fungiert nun als Schnittstelle zwischen ERP-System und den Systemen der Prozessautomatisierung. In dieser Position sichert es zum einen, dass die enorme Datenmenge aus den Produktionsprozessen zu transparenten Informationen verarbeitet wird. Zum anderen steuert MESQ-it die Durchsetzung (Execution) der bestehenden Feinplanung unter Beachtung der Rückmeldungen aus der Produktion.

So werden jetzt beispielsweise die Stammdaten der Artikel automatisch aus dem ERP an das MES und CAQ übertragen. Die Pflege der Stammdaten muss also nur noch in einem System stattfinden, nämlich im ERP. Unter dem Strich stehen eine deutlich reduzierte Fehlerquote bei der Datenerfassung sowie ein enormer Zeitgewinn durch eingesparte Arbeitsschritte.

Als weiterer Prozessbeschleuniger wirkt für NTN die Verbindung von MES und SPC-Modul des CAQ-Systems. Über die statistische Steuerung der Prozesse hinaus werden die Informationen über IO- und NIO-Teile automatisch in MESQ-it erfasst und die Mengen an das ERP übermittelt.

„Im Ergebnis liefert MESQ-it dem Unternehmen automatisch eine Fülle von Kennzahlen, die NTN bislang nur extrem aufwändig über verschiedene Excel-Tabellen errechnen konnte. Oder die erst gar nicht existiert haben“, fasst Alexander Harder zusammen.

Beeindruckende Kennzahlenfülle

In MESQ-it werden die Produktionsdaten zu Key Performance Indicators (KPI) verdichtet. Das umfasst sowohl arbeitsplatz- und maschinenbezogene Kennzahlen als auch übergreifende Kennzahlen zur Bewertung der Fertigungsorganisation. Mithilfe der KPIs lassen sich dann Fortschritt und Erfüllungsgrad von Produktionszielen sowie kritische Erfolgsfaktoren transparent bewerten.

Mit diesen Informationen entsteht in MESQ-it praktisch ein digitales Abbild der Fertigung, in dem Produktionsereignisse sofort ersichtlich und Planungsfehler sowie Optimierungspotenziale direkt aufgedeckt werden. So erkennt man bei NTN nun schnell und übersichtlich, ob Wartezeiten an Maschinen bestehen, die grundsätzlich eine höhere Taktung zulassen und ob Ressourcen optimal genutzt werden.

Damit ließen sich schon in den ersten Monaten nach dem Go-live des MES-Systems im Herbst 2019 Reaktionsgeschwindigkeit, Termintreue und Wirtschaftlichkeit spürbar verbessern. Sowie – als wichtiger Wettbewerbsvorteil der Zukunft – bereits die Lieferzeit relevant verkürzen.

„Ich kann also sagen, dass Böhme & Weihs bei uns einiges ins Rollen gebracht hat. Ganz so, wie es sich für einen Kugellagerhersteller gehört“, zieht Qualitätsmanager Andreas Kotulla zufrieden Resümee.

Industrie 4.0 bereits in den Genen

Das Zeug zur Internationalisierung für global aufgestellte Anwender trägt MESQ-it jedenfalls programmseitig bereits in den Genen. Denn vollständig cloudbasiert agierend, vernetzt es sich mit jeder Maschine eines Unternehmens – in jedem seiner Werke weltweit. Und bei Bedarf problemlos auch über Unternehmensgrenzen hinaus, ganz im Sinne der digitalen Fabrik. Sämtliche Informationen zu Ressourcen, Aufträgen und Fertigungsereignissen kann MESQ-it dann aus einer Unternehmens-Cloud übernehmen und sie aktuell und jederzeit verfügbar auf einem zentralen Web-Server verdichten. Auch für NTN ein spannender Gedanke hinsichtlich der nächsten Schritte in Sachen Industrie 4.0.

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

© , Böhme & Weihs Systemtechnik GmbH & Co. KG