Anwenderbericht Gemü

STETIGES WACHSTUM BEDEUTET STÄNDIGE VERÄNDERUNG

CAQ-SYSTEM BEGLEITET WELWEITE UNTERNEHMENSEXPANSION

Werker arbeitet an GerätQualitätssicherung gleicht einem hochsensiblen betrieblichen Organismus, der einer permanenten Veränderung und Entwicklung unterliegt. So ist es eine Herausforderung, im laufenden Produktionsbetrieb örtlich getrennte Server und
verschiedene ERP- und CAQ-Strukturen zu verknüpfen und zu erweitern. Einem Hersteller von Prozessventilen gelang dies zusammen mit Böhme & Weihs, er vernetzte seine Standorte in Deutschland und in der Schweiz.

IHRE ANSPRECHPARTNERIN

Im Jahr 1963 entwickelt ein Feinmechaniker das weltweit erste Prozessventil aus Kunststoff (PVC). Die damals gegründete GEMÜ Group beschäftigt heute mehr als 1600 Mitarbeiter weltweit. Über ein Netz aus Tochtergesellschaften und Handelspartnern ist sie in rund 50 Ländern vertreten. Praktisch im Jahrestakt beschert die Gebrüder Müller Apparatebau GmbH & Co. KG zahlreichen Branchen bedeutende Innovationen für industrielle Anwendungen. Sie produziert Membran-, Sitz- und Magnetventile, Absperrklappen, Durchflussmesser, Stellungsregler und -rückmelder sowie Zubehör. Spezialisiert ist man zudem auf kundenspezifische Ventilblöcke aus Edelstahl und CleanStar-Ventile aus Fluorkunststoff für hochreine  Anwendungen, etwa in der Medizintechnik oder Biotechnologie.

Mit der Ventil- und Regeltechnik bewegt sich das Unternehmen im prozessrelevanten und extrem qualitätssensiblen Umfeld. So ist man auch mit den härtesten Qualitätsnormen konfrontiert, etwa jenen der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA). Und generell mit einer extrem strengen Dokumentationspflicht. Doch eine konforme und vor allem transparente Qualitätssicherung in einem weltweit expandierenden Unternehmen ist auch eine große Herausforderung.

Dies zeigt der Blick in die Schweiz: Die dort 1981 erbaute GEMÜ-Fertigungsstätte agierte, sowohl was das Produktportfolio als auch was die Produktionsinfrastruktur und -organisation anging, weitestgehend unabhängig vom Stammwerk in Deutschland. So vertraute man in beiden Ländern auf unterschiedliche ERP-Systeme und eigene Server.  Zwischen den Servern in Deutschland und der Schweiz gab es keinerlei Verbindung, also auch keinerlei Datenaustausch. Das hatte zum einen technische Gründe, etwa die Ende der 90er-Jahre noch zu geringen Übertragungsraten. Es lag zum anderen aber auch an den unterschiedlichen Entscheidern in Deutschland und in der Schweiz. Arbeitete und dachte man bis Ende der 1990er-Jahre in den nationalen Werken qualitätsbezogen noch weitgehend autark, setzte sich mit Beginn der 2000er-Jahre die Philosophie der Gemeinsamkeit durch. Auch deshalb, weil deutlich wurde, dass man immer mehr Arbeit doppelt machte. So entstand der Wunsch nach einem konformen und transparenten Qualitätsmanagement innerhalb der GEMÜ Group. Es war an der Zeit, sich externer Experten für diesen Change-Prozess zu bedienen.

Zusammen, aber unabhängig

Gefunden wurden diese beim deutschen Systemtechnik-Spezialisten Böhme & Weihs im bergischen Sprockhövel. Von Anfang an war klar, dass zunächst die beiden Standorte unabhängig voneinander mit einem leistungsfähigen CAQ-System ausgestattet werden mussten. Unabhängig von einander allein schon deshalb, weil beide Standorte mit unterschiedlichen ERP-Systemen arbeiteten. Aber natürlich galt es,vom Start weg den Blick auf eine spätere Vernetzung durch die gesamte GEMÜ-Gruppe zu richten. Denn zu den Wesensmerkmalen der CAQ-Software CASQ-it gehört ihr modularer Aufbau, der ein schrittweise erfolgende Erweitern zulässt. Bereits in einem einzelnen Prozessschritt lässt sich die Lösung produktiv einsetzen, da die einzelnen Module auch völlig autark funktionieren. Das eröffnete GEMÜ den individuellen Einstieg an einzelnen Standorten, ohne sofort in ein Komplettsystem investieren zu müssen.

So begann GEMÜ 2001 an beiden Standorten mit den CASQ-it-Modulen WEP für die Wareneingangsprüfung, RUF für die Reklamations- und Fehlerverfolgung sowie PMM für das Prüfmittelmanagement. Und man wusste: Würden mit dem Unternehmen auch die Ansprüche und der Bedarf wachsen, könnte sukzessive ein modularer Softwareausbau erfolgen – bis hin zu einem unternehmensumspannenden QM-System, das die qualitätsrelevanten Prozesse an den einzelnen Standorten plant, steuert, überwacht und miteinander vernetzt. Eine enge Integration würde dabei mit CASQ-it auch nach definierten Berechtigungen gestaffelte Zugriffe von jedem Unternehmensstandort aus erlauben – oder sogar von unterwegs.

Modular und grenzüberschreitend

Ihre Flexibilität stellte die CAQ-Lösung 2010 anschaulich unter Beweis, als es galt, zunächst am Schweizer Standort die Zusatzsprache Englisch in die Software über
alle Kataloge zu implementieren. Eine Forderung, die es vor allem mit Blick auf die FDA-Forderungen zu erfüllen galt. Gelungen war das durch den partnerschaftlichen Einsatz des Systemanbieters, der dafür eine effiziente Lösung fand: Die deutschsprachigen Kataloge und bestehenden Daten wurden von Böhme & Weihs ausgelesen, um den englischen GEMÜ-Sprachgebrauch ergänzt und wieder eingelesen. Mit dieser automatischen Konvertierung agierte das System innerhalb kürzester Zeit komplett zweisprachig.

Die bis dato größte Herausforderung stellte sich, als die Zusammenlegung der beiden Server in Deutschland und der Schweiz erfolgte – und zwar im laufenden Betrieb. Ziel war es, CAQ und ein nun an beiden Standorten identisches Warenwirtschaftssystem (ERP) zu zentralisieren und sämtliche Werksprozesse gleichzuschalten. Leitstelle dafür sollte ab diesem Zeitpunkt das Qualitätsmanagement in der deutschen Unternehmenszentrale sein. Funktioniert hat das deshalb reibungslos, weil Softwareanbieter und Kunde in einem beispielhaft guten Dialog standen. Weil beide Seiten immer bereit waren, auf die Erfahrungen des anderen zu hören und man gemeinsam die beste individuelle Strategie entwickelte.

Drei Sprachen, ein Nutzen

Die guten Erfahrungen aus der System-Zusammenlegung der deutschen und Schweizer Standorte führten bereits ein Jahr später zur Einbindung des französischen Tochterunternehmens in die CASQ-it-Systemstruktur. Gleichzeitig wurde die Sprache Französisch implementiert und damit die Multilingualität der Software erweitert. Das heißt: Gleichgültig, in welcher der drei Sprachen Deutsch, Englisch oder Französisch die Daten erfasst wurden – einem Nutzer werden die Inhalte immer in der Sprache angezeigt, in der er sich im System angemeldet hat. Eine Reklamation oder ein Bericht aus Frankreich geht also automatisch auf Deutsch in der Unternehmenszentrale in Ingelfingen ein.

2015 wurde dann mit der Einbindung weiterer Mandanten in das CAQ-System vollständige Transparenz über alle relevanten Teile der Unternehmensgruppe geschaffen. Alle Beteiligten haben heute immer und überall den vollen Zugriff auf den Status einer Reklamation. Für GEMÜ legte der Softwareanbieter das Reklamationsmanagement- und Fehleranalyse-Modul RUF so aus, dass jeder Reklamationsvorgang in zwei Bereiche unterteilt wird.
Ein Bereich sorgt für die Berichterstattung und Maßnahmendokumentation gegenüber dem reklamierenden Kunden. Im anderen Bereich erfolgt die Fehler- und Ursachenanalyse. Im Reklamationsprozess hat jedes in die Bearbeitung einbezogene Werk nach wie vor die Freiheit, die Reklamation eigenständig zu bearbeiten und beliebig viele Unterstrukturen für die vermuteten Fehler, Ursachen und Bauteile/Komponenten anzulegen. Status und Zwischenergebnisse einer Reklamation werden permanent in einem zentralen Vorgang geführt – egal, an wie vielen Stellen des GEMÜ-Netzwerks die Reklamation gerade bearbeitet wird. Durch diesen zusammenfassenden Gesamtüberblick bleibt das Unternehmen dem Kunden gegenüber jederzeit und lückenlos auskunftsfähig. Und die werksübergreifende Reklamationsbearbeitung sichert gleichzeitig besondere Effizienz.

Alle Informationen auf Knopfdruck

Unabhängig von der Auswertung im zentralen Qualitätsmanagement führt zudem jeder Standort seine eigenen Auswertungen durch. Hierzu gehört zum Beispiel die Anzahl fehlerhafter Komponenten, verursacht durch die verschiedenen Fertigungsstätten, oder auch die Menge von Beanstandungen an externe Zulieferer. Eigenständigkeit intern, Einheitlichkeit gegenüber dem Kunden – diese zentralen Ziele erfüllt die neue Systemlösung.

Unterm Strich bietet dies eine große Arbeitserleichterung. Das Qualitätsmanagement weiß zu schätzen: Auf Knopfdruck erhält man die Informationen in genau der Tiefe, in der sie gebraucht werden.

© 2017, Böhme & Weihs Systemtechnik GmbH & Co. KG