DIGITALE TRANSFORMATION – CHANCE UND HERAUSFORDERUNG ZUGLEICH

INTERVIEW MIT BURKHARDT REX, CHIEF INFORMATION SECURITY OFFICER BEI BÖHME & WEIHS

Die Vernetzung von Prozessen hat enormes Potenzial, um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu steigern – doch wie wird die digitale Transformation im Qualitätsmanagement zum Erfolg? Im Gespräch mit der Fachzeitschrift „Digital Manufacturing“ verdeutlicht Burkhardt Rex, verantwortlich für den Bereich „Informationssicherheit“, wie hoch der Effizienz- und Kostengewinn schon durch kleinste Digitalisierungsprojekte sein kann. Zugleich zeigt er die Sicherheitsrisiken bei der globalen Vernetzung auf, an denen unweigerlich ganze Unternehmensschicksale hängen.

Digitale Transformation ist ein weites Feld. Welche Aspekte sollten Fertigungsbetriebe aktuell besonders beleuchten?

Die Vorteile der digitalen Transformation, wie vereinfachte Kommunikation, schnellerer Datenaustausch und wachsende Effizienz innerhalb gemeinsamer Prozesse werden zum Wettbewerbsfaktor. Die wachsende Vernetzung zwischen Kunden und Lieferanten schafft aber auch zunehmend mehr Möglichkeiten, um durch interne und externe Angriffe hochsensible Daten zu stehlen, zu manipulieren und Geschäftsprozesse zu beeinflussen. Da geraten unweigerlich auch Qualitätsmanagementdaten, von der detaillierten Prozess-FMEA bis hin zu konkreten Produktmerkmalen, in den Fokus. Jedes Unternehmen muss sich deshalb damit auseinandersetzen, wie es seine Daten und damit auch sein Unternehmens-Know-How schützt.

„Aktuell entsteht der Eindruck, dass global agierende Konzerne bei der digitalen Transformationen meist strukturiert vorgehen, während der Mittelstand, der den Großteil der deutschen Wertschöpfung ausmacht, teilweise noch in einem gefährlichen Dornröschenschlaf liegt.“

Die Informationssicherheit für vernetzte Prozesse und Daten wird zum existentiellen Merkmal innerhalb der digitalen Wertschöpfungskette – und damit auch bei der Auswahl des geeigneten Lösungspartners. Denn Nachweise zur Informationssicherheit, wie sie die Automobilindustrie schon heute auf Basis von „VDA ISA“ bzw. „TISAX“ fordert, werden sich in allen Branchen durchsetzen.

Aus der Praxis: Nennen Sie ein Beispiel für ein interessantes Digitalisierungsprojekt im Fertigungsumfeld, das sich schnell amortisiert hat.

Schon vermeintlich kleine Vernetzungsszenarios haben ein enormes Effizienz- und Kostensenkungspotenzial. Das zeigt beispielsweise die Digitalisierung von Produktionsmaschinen mit unserer MES-Lösung WEB.MES bei einem Produzenten für warmverformte Schrauben. Noch in der Pilotphase fiel bei der Qualitätsprüfung der Schrauben ein minimaler Längenunterschied auf. Basierend auf Erfahrungswerten lag die Vermutung nah, dass der Grund im zu schnellen Maschinentakt lag. Andererseits endete der Produktionsauftrag jedoch exakt zu dem Zeitpunkt, zu dem er auch eingeplant war und nicht früher, wie es bei einem zu schnellen Takt der Fall gewesen wäre.

Erst die präzise Datenerfassung in WEB.MES zeigte die Ursache: Zu Produktionsanfang arbeitete die Maschine 30% schneller als geplant und verursachte so mit dem zu schnellen Takt die minimalen Längenunterschiede. Im weiteren Prozessverlauf normalisierte sich der Takt wieder bzw. verzögerte sich dann sogar, so dass der Auftrag entsprechend der Planzeit endete und der Prozess auf den ersten Blick unauffällig war.

Ohne das MES wäre die Taktveränderung während der Produktion als Fehlerursache kaum aufzudecken gewesen. Doch so ließen sich Korrekturmaßnahmen einleiten, um kostenintensiven Ausschuss zu vermeiden.

Bei aller Euphorie: Was hemmt die Digitalisierung aktuell am meisten?

Die digitale Transformation wird die Art und Weise wie wir arbeiten unweigerlich verändern. Die Gratwanderung, zwischen dem technisch Machbaren und dem gesellschaftlich Zumutbaren, verunsichert die Mitarbeiter. Das hemmt letztendlich auch die Unternehmen bei der Vernetzung von Qualitätsmanagementprozessen innerhalb ihrer Digitalisierungsstrategie. Ein weiteres Hemmnis ist die Unsicherheit bei der Auswahl des geeigneten Lösungspartners.

„Unternehmen, die langfristig an der digitalen Wertschöpfungskette teilnehmen wollen, müssen sich schon heute für Softwarelösungen entscheiden, deren Technologie für die Entwicklungen in der digitalen Transformation unbedingt geeignet ist.“

Das betrifft zum einen die funktionale Ebene, etwa im Bereich Cloudfähigkeit und Mobilfähigkeit. Zum anderen wird sich die Informationssicherheit, also der Schutz sensibler Geschäftsprozesse und Daten bei der unternehmensübergreifenden Vernetzung, in allen Branchen zu einem K.O.-Kriterium entwickeln.

Der Standpunkt von Burkhardt Rex erschien in gekürzter Form in der Fachzeitschrift Digital Manufacturing, Ausgabe 01/2019

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Burkhardt Rex

  • ZUR PERSON

    Burkhardt Rex absolvierte 1992 sein Elektrotechnik-Studium an der Hochschule Bochum. Bereits im darauffolgenden Jahr stieg er als Mitarbeiter bei Böhme & Weihs ein. Als Projektleiter in der Softwareentwicklung wirkte er maßgeblich an der Konzeptions- und Entwicklungsarbeit für das CAQ-System CASQ-it mit. Dazu gehörte unter anderem die Entwicklung der automatischen Prozessanalysen sowie die Entwicklungssteuerung für das Modul CASQ-it APQP. Seit 2016 gestaltet er als Software-Architekt die Entwicklung des neuen, informationssicheren CAQ-Konzepts „CASQ-it NG“ mit. Seit 2019 ist er zudem als Chief Information Security Officer für das Gesamtunternehmen tätig.