DIGITALISIERUNG: DAS QUALITÄTSMANAGEMENT IM WANDEL

INTERVIEW MIT MALTE FIEGLER,
INNOVATIONSMANAGER BEI „DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR QUALITÄT e. V.“

Smart Factories, Big Data, Automatisierung – Die Digitalisierung verändert grundlegend die Art und Weise, wie in Zukunft gearbeitet wird. Doch welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf einzelne Arbeitnehmer? Welche strategische Unternehmensausrichtung ist in Zukunft notwendig? Und welche Schlüsselkompetenzen sind von wachsender Bedeutung?

Diese Fragen hat die DGQ Anfang des Jahres Fachleuten verschiedener Branchen in einer Onlinebefragung zum Thema „Digitaler Wandel – Wo stehen Sie?“ gestellt und nun in einem Whitepaper übersichtlich aufbereitet. Wir sprachen mit Malte Fiegler, Innovationsmanager bei der DGQ, über die Ergebnisse, den Wandel der Arbeitswelt und konkrete Handlungsempfehlungen.

Herr Fiegler, über Digitalisierung wird viel gesprochen. Doch wie konkret ist die Umsetzung einer Digitalisierungsstrategie in den Unternehmen tatsächlich?

Über Digitalisierung wird anscheinend nicht nur intensiv diskutiert. Vielerorts wurde inzwischen auch an Plänen gearbeitet, die eine zielgerichtete Umsetzung möglich machen sollen. Ein Viertel der an unserer Onlinestudie Teilnehmenden arbeitet in Organisationen, in denen bereits eine Gesamtstrategie zur Umsetzung von Digitalisierungsthemen entwickelt wurde. Daneben finden sich bei etwa 40 Prozent der 623 befragten Personen Strategien für einzelne Bereiche oder Abteilungen. Das in ihrem Unternehmen bis jetzt noch keinerlei entsprechende Maßnahmen entwickelt wurden, gab jede fünfte teilnehmende Person zu Protokoll.

Demnach ist der Veränderungsprozess in den Unternehmen bereits in vollem Gange – was nicht zuletzt auch zu Verunsicherungen führt. Rund 50% der Befragten gaben an, dass im Rahmen der Digitalisierung Angst und Überforderung  im Unternehmen wachsen. Wie bewerten Sie dieses Ergebnis?

Bei den vielfältigen Veränderungen, denen wir bei gleichzeitig eher großer Ungewissheit ausgesetzt sind, werden meiner Meinung nach Überforderungsgefühle und auch Ängste fast zwangsläufig ausgelöst. Menschen machen sich Gedanken darüber, was in den nächsten Jahren passieren wird, auch mit ihnen selbst an ihren Arbeitsplätzen. Es gibt inzwischen unzählige Studien, die teils dramatische Zukunftsszenarien zeichnen. Wie robust diese Projektionen sind, ist allerdings oft mehr als fraglich.

Abbildung einer Analyse
Quelle: DGQ e.V.

Natürlich ändern sich Kompetenzanforderungen und neue Berufsbilder entstehen. Der Mensch ist dem aber nicht ohnmächtig ausgeliefert. Wir müssen uns mit der fortschreitenden Veränderung intensiv beschäftigen, die Einzelnen, die Unternehmen und nicht zuletzt auch das politische System, in dem für gute Rahmenbedingungen gesorgt werden muss. Dabei gehört der Mensch ganz klar in den Mittelpunkt solcher Überlegungen, nicht das technisch Machbare. Eine so zugespitzte Fragestellung wie „Mensch oder Maschine?“ ist emotional stark aufgeladen, führt uns aber in die falsche Richtung. Wir sollten weniger Energie darauf verwenden, uns zu überlegen, wo Maschinen den Menschen ersetzen könnten, sondern vielmehr gemeinsam darüber nachdenken, wo und wie Mensch und Maschine sinnvoll zusammenarbeiten, sich ergänzen.

Braucht also auch der Faktor „Mensch“ eine Digitalisierungsstrategie?

Die Frage lässt sich mit Ja beantworten und diese Digitalisierungsstrategie ist dann in jedem Fall auch eine Bildungsstrategie. Die Erstausbildung wird in Zukunft immer seltener für die Anforderungen einer beruflichen Laufbahn ausreichen. Wissen veraltet immer schneller und neue Technologien, neue Fertigkeiten und Kompetenzen sind gefragt. Wir brauchen Bildungskonzepte, die stärker darauf abzielen die Kompetenzentwicklung von Menschen zu fördern. Nur so kann das vieldiskutierte berufsbegleitende Lernen der Zukunft gelingen, das uns im technologischen Wandel handlungsfähig bleiben lässt.

Blicken wir unter diesem Aspekt konkret auf das Berufsbild „Qualitätsmanager“: Welche Kompetenzen werden sich hier zu Schlüsselqualifikationen entwickeln?

Fragt man, wie mit unserer Onlinestudie geschehen, die Fachleute selbst, welche Kompetenzen und Qualifikationen im Zuge fortschreitender Digitalisierung besonders wichtig sind, nennen diese „fundiertes IT-Wissen“ als den bei weitem relevantesten Aspekt.

Abbildung einer Analyse zu Kompetenzen
Quelle: DGQ e.V.

Sicher mit Informationstechnologie umgehen können ist also eine Grundvoraussetzung. Über Fachwissen hinaus sind es aber auch Aspekte, wie Flexibilität oder Kooperationsfähigkeit, die als Schlüsselkompetenzen eingeordnet werden – also sozial-kommunikative beziehungsweise handlungsbezogene Kompetenzen.

Für die befragten QS-Fachleute bekommt zudem das fachspezifische Anwendungs-Know-How einen wachsenden Stellenwert. Sie sehen in der „Erhebung, smarten Auswertung und Nutzung von Daten“ eines der fünf wichtigsten Kompetenzfelder. Da liegt ein Unterschied zwischen QM und QS, der sich weiter verstärken könnte.

Was bedeutet dieser zunehmende Unterschied zwischen Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement für das operative Geschäft?

Im Qualitätsmanagement wird noch stärker organisationsentwicklerisch an der speziellen und allgemeinen Qualitätsfähigkeit eines Unternehmens gearbeitet werden. Die Qualitätssicherung wird sich, durch die Möglichkeiten, die in der Sammlung von Daten und deren smarter Auswertung und Nutzung stecken, stärker zu einer Data Science entwickeln.  So lassen sich im Produktionsprozess diverse Qualitätsmerkmale erzeugen und auch während der überwachten Produktnutzung Abweichungen erkennen und Fehler beseitigen.

Welche Handlungsempfehlungen können Sie abschließend geben, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu bestehen?

Veränderung schafft neuen Raum. Darin findet sich auch die Chance, sich ernsthaft zu fragen, was ich gut kann, was mir Spaß macht oder machen könnte und wohin ich mich entwickeln will. Es geht also darum, als Mensch selbst handlungsfähig zu sein und nicht nur auf Umgestaltung reagieren zu müssen – lebenslanges Lernen ist hier nur ein Stichwort. Es ist noch nicht so lange her, da waren Erwerbsbiografien weitaus starrer. Fundiertes Branchenwissen, neue Arbeitsmethoden oder frisches IT-Know-How lassen sich gut kombinieren. Solche Entwicklungen kann man für sich nutzen.

Unternehmen müssen die aktuellen Entwicklungen aufmerksam verfolgen und passende Handlungsweisen entwickeln, die einerseits zu eigenen Traditionen passen und andererseits Neues erlauben und fördern. Da geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um innovative Geschäftsmodelle oder eben eine intelligente Mitarbeiterentwicklung. Mit Intelligenz meine ich auch, neuen Herausforderungen und Veränderungen nicht nur mit neuen Köpfen begegnen zu wollen. Viele Unternehmen suchen gerade extern händeringend nach einschlägigem Personal. Der Blick nach innen, mit zeitgemäßen Weiterbildungsprogrammen und ernsthaften Entwicklungschancen, könnte da vielerorts um einiges schärfer sein.

Abbildung einer Inforgrafik
Quelle: DGQ e.V.

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Ansprechpartner - Malte_Fiegler.jpg

Malte Fiegler, Innovationsmanager bei der DGQ

  • Zur Person

    Malte Fiegler arbeitet im Team Innovation & Transformation der DGQ zu organisationalen Prozessen und Akteuren. Themen, die den Sozialwissenschaftler dabei besonders beschäftigen, sind der unternehmerische Umgang mit Unsicherheit und die Arbeit der Zukunft.
    E-Mail: malte.fiegler@dgq.de