CAQ DURCHDRINGT ALLE UNTERNEHMENSEBENEN

QUALITÄTSNETZWERK ÜBER ALLE PROZESSE HINWEG

Mann schaut nach oben in die KameraBereits 1992 führte die Honsel Umformtechnik GmbH, ein Anbieter für C-Teile in der Automotivebranche, ein CAQ-System ein. Damals war jedoch nicht zu erahnen, wie tief die Software einmal die Unternehmensstrukturen durchdringen würde. Denn im Rahmen der Qualitätsoffensive baute das Unternehmen nicht nur die Produktionsfläche kontinuierlich aus, sondern erweiterte auch die CAQ-Installation hin zu einer regelrechten CAQ-Landschaft, die sich heute in nahezu alle Unternehmensabteilungen erstreckt – mit beeindruckenden Erfolgen.

Seit der Unternehmensgründung 1930 durch Alfred Honsel, ist die Kaltumformung von Draht aus Stahl, Aluminium, Edelstahl, Kupfer und Messing das Kerngeschäft der HONSEL Umformtechnik. Neben den bekannten HONSEL Blindnietmuttern, hat das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Fröndenberg sein Sortiment mehrfach ausgebaut. Von der einfachen Vollniete für Haushaltswaren in den 30er Jahren über Brems- und Kupplungsbelagnieten für PKW bis zu der Entwicklung spezieller Niet-Systemtechnik-Lösungen in den 90er Jahren – HONSEL hat Entwicklungen an den Märkten stets frühzeitig erkannt und sich so konsequent weiterentwickeln können. Das sichert HONSEL bis heute vor allem in der Automobilzuliefererindustrie eine marktführende Stellung im Bereich komplexer Kaltfließpressteile und Verbindungselemente. Dabei zeigt sich das Produktionsunternehmen als vollumfänglicher Lösungsanbieter mit einem beeindruckenden Portfolio: Entwicklungsleistung, Prototypen- und Werkzeugbau, Kaltumformung, Wärmebehandlung, Laserschweißen und Crimpen bis hin zur Montage von Baugruppen. Darüber hinaus bietet HONSEL die entsprechende Setztechnik zur Montage der Nieten und sogar komplette Montageanlagen zur automatisierten Befestigung der Verbindungselemente in den Fertigungslinien der HONSEL-Kunden.

Dieses Leistungsangebot sowie der außerordentliche Qualitätsanspruch an die eigenen Produkte machen führende Automobilhersteller wie Audi, BMW, Ford, Daimler, Mercedes, PSA, Renault und den VW-Konzern zu überzeugten Kunden. Genauso auch die Global Player der Automobilzuliefererindustrie wie Magna, Mahle, LUK oder Faurecia.

QUALITÄTSSICHERUNG FÜR MILLIONEN SICHERHEITSRELEVANTER TEILE

Die Einsatzorte der Verbindungselemente sind vielfältig –  vom Lautsprecher über die Isofix-Halterung für Kindersitze bis hin zum Airbag. Um jederzeit zu gewährleisten, dass die Teile höchsten Qualitäts- und Sicherheitsansprüchen entsprechen, hat sich HONSEL für eine kompromisslose Qualitätsstrategie entschieden: Ausnahmslos jedes Teil gilt als Premium-Teil. Was wiederum auch einen erhöhten Aufwand an Qualitätsüberwachungs- und Nachweispflichten für jedes Teil bedeutet.

Für HONSEL keine unerhebliche Herausforderung, denn der Maschinenpark für die Fertigung umfasst 75 Maschinen – von der 6-Stufenpresse über Gewindeform-Maschinen bis hin zu Montageautomaten. Die Menge der damit gefertigten Teile ist beeindruckend. So werden pro Jahr rund 1 Milliarde Teile gefertigt.

HONSEL reagiert auf die bedingungslosen Qualitätsansprüchen für diese enormen Teilemengen, hergestellt unter dem stetigen Zeitdruck der Just-in-Time produzierenden Automobilbranche, mit routinierter Sicherheit. Grundlage hierfür ist die CAQ-Lösung CASQ-it der Böhme & Weihs Systemtechnik.

TÄGLICH 510 WERKERSELBSTPRÜFUNGEN ZUR PROZESSÜBERWACHUNG

In der Fertigung ist das CAQ-System die belastbare Basis zur konsequenten Überwachung, Steuerung und Optimierung der Prozesse. Besonders eng in die Qualitätssicherung eingebunden sind dabei die rund 70 Fertigungsmitarbeiter. Denn sie übernehmen im Rahmen der Werkerselbstprüfung die Überwachung der Prozesssicherheit. Ein verantwortungsvolles Aufgabengebiet, bei dem sie durch die sogenannten CASQ-it Prüfstationen unterstützt werden. Direkt in unmittelbarer Nähe zu den Maschinen zeigen die Prüfstationen anhand farbiger Balken an, wann die nächste Stichprobe fällig wird. Die spezielle Werkeroberfläche führt den Werker dann wie ein roter Faden durch die variablen und attributiven Prüfungen. Ob Messwertaufnahme über angeschlossene Prüfmittel oder Sichtprüfungen, etwa zur Qualität von Oberflächen oder Gewinden: Merkmalsbilder, konkrete Prüfanweisungen und verlinkte Dokumente unterstützen den Werker in der besonders übersichtlichen Eingabemaske. Am Ende jeder Prüfung erhält er die Bewertung des Prozessstatus und erkennt sofort, ob Abweichungen aufgetreten sind und regulierend eingegriffen werden muss. Durch die übertragene Verantwortung in der Werkerselbstprüfung, identifizieren sich die Fertigungsmitarbeiter stärker mit ihrer Arbeit und ihren Prozessen. Und für HONSEL ist die durchgehende Fertigungsrückmeldung mit rund 510 Stichproben pro Tag ein unverzichtbares Werkzeug zur stetigen Fertigungssteuerung.

ZUVERLÄSSIGE ÜBERWACHUNG VON 1.503 PRÜFMITTELN

Die Belastbarkeit der aufgenommenen Qualitätsdaten sichert HONSEL mit der lückenlosen Prüfmittelüberwachung im CAQ-System. Dazu berechnet und überwacht CASQ-it automatisch die Kalibrierzyklen von insgesamt 1.503 Prüfmitteln und zwar dynamisch, also unter Berücksichtigung von Einsatzart und Verschleiß. Neben der aktuellen Einsatzfähigkeit, dem Einsatzort, Kalibrierergebnissen und dem Nachweise zur durchgeführten Prüfmittelfähigkeitsanalyse (MSA), zeigt das CAQ-System auf Knopfdruck die detaillierte Historie zu jedem Prüfmittel. Der in Kundenaudits immer wiederkehrenden Frage nach den Prüfzeugnissen und Laborberichten zu extern kalibrierten Prüfmitteln, begegnet HONSEL mit einem einfachen Knopfdruck. Über eine Verknüpfung öffnet sich unmittelbar der Original-Kalibriernachweis – lückenlose Rückverfolgbarkeit, die keine Fragen offen lässt.

Wie flexibel das CAQ-System einsetzbar ist, zeigt sich daran, dass hiermit selbst die Verpackungswaagen überwacht werden. Für HONSEL ein naheliegender Schluss: Die enormen Auftragsmengen können aus Zeit- und Effizienzgründen selbstredend nicht abgezählt verpackt werden. Also bedarf es einer Waage, mit der die entsprechende Liefermenge bestimmt wird. Abweichungen sind hier nicht zulässig. Denn typisch für den Automotive-Sektor, rufen die Kunden Just-in-time ihre Auftragsmengen gestaffelt ab. Fehlte auch nur ein Verbindungselement, könnte das die Fertigungskontinuität des Abnehmers vollständig zum Erliegen bringen. Deshalb gilt für die Verpackungswaagen im CASQ-it Prüfmittelmanagement eine ebenso strenge Überwachung und Prüfung wie für Prüfmittel.

MAXIMALE KUNDENZUFRIEDENHEIT: NAHEZU KEINE PRODUKTREKLAMATIONEN

Das Zusammenspiel aus engmaschigen Qualitätsprüfungen, vorausschauender Fehlervermeidung und weiteren, ergänzenden Maßnahmen, führte bei HONSEL zu einer beeindruckenden Verschiebung der Reklamationsgründe: Es gibt nahezu keine Reklamationen mehr zu Fehlern am Produkt. Stattdessen fällt der größte Anteil der Reklamationen in die Kategorie „Logistik“. Dazu gehören beschädigte Transportkisten oder etwa ein unleserlicher Barcode in den Lieferpapieren, jedoch kein Qualitäts- oder Funktionsfehler.

QUALITÄTSMONITORING FÜR ALLE MITARBEITER

Das Reklamationsmanagement in CASQ-it unterstützt HONSEL mit einem transparenten Qualitätsmonitoring: Jede Reklamation, ob berechtigt oder unberechtigt, ob durch Kunden oder an Lieferanten, wird zentral angelegt, bearbeitet und bis zum Abschluss verfolgt. Auf Basis dieser Daten entsteht für HONSEL ein Qualitätsmonitoring, dessen Analysemöglichkeiten kaum Grenzen kennen. Von der vordefinierten Auswertung bis hin zur selbstdefinierten Analyse: Die Qualitätsmanagementmitarbeiter können nahezu jede Frage zur Qualitätsentwicklung beantworten. Ein Mausklick und schon stehen Vergleiche und zeitliche Entwicklungen unter anderem zu Qualitätskosten, Lieferqualität, Fehlerbildern, ppm-Zahlen, Kundenzufriedenheit und Historien bereit. Beliebige Kriterien wie Bearbeitungsstatus, Reklamationstyp oder Einschränkungen auf Produktgruppen verfeinern die Analyse immer weiter bis zur gewünschten Tiefe.

Die Transparenz und die extrem schnelle Aufbereitung der Daten machen das Reklamationsmanagementsystem zu einem Standbein der internen Unternehmenskommunikation. Jeden Monat informiert das Qualitätsmanagement mit grafisch aufbereiteten Kennzahlen zur aktuellen Qualitätsentwicklung von HONSEL. Ob als Aushang am schwarzen Brett neben der Fertigung oder als E-Mail direkt in das Postfach der Geschäftsführung: Ausnahmslos jeder ist informiert. Während diese Transparenz die Motivation und das Zugehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter stärkt, wird sie für die Geschäftsführung zur Grundlage für strategische Entscheidungen.

CAQ STÄRKT KUNDENBEZIEHUNG

Diese Kombination aus Transparenz, Informationstiefe und Übersichtlichkeit im Reklamationsmanagementsystem führt dazu, dass auch eine sonst eher untypische Anwendergruppe aktiv mit dem CAQ-System arbeitet: Die Vertriebsabteilung. Jeder der 15 Vertriebsmitarbeiter pflegt engen Kontakt, ja sogar ein tatsächlich partnerschaftliches Verhältnis zu seinen jeweiligen Ansprechpartnern bei den HONSEL-Kunden. Deshalb sind es auch die Vertriebsmitarbeiter, die in der Regel als erstes erfahren, wenn es Rückfragen oder Reklamationen zu einer Lieferung gibt. Noch während der Korrespondenz mit dem Kunden, legen sie die Reklamation im CAQ-System an. Doch die Nutzung des CAQ-Systems als Service-Werkzeug geht noch einen Schritt weiter: Es sind die Vertriebsmitarbeiter, die den Reklamationsvorgang starten, Mengen und Teile sperren sowie fortlaufend die Kosten erfassen – über den gesamten Reklamationsprozess hinweg sind sie involviert. Für das Vertriebsteam ist das CASQ-it Reklamationsmanagement ein unverzichtbares Standbein für die Kundenkommunikation. Denn durch den direkten Zugriff auf die Informationen im CAQ-System und die transparente Aufbereitung der Daten, sind die Mitarbeiter ihrem Ansprechpartner jederzeit bis in die Tiefe auskunftsfähig.

REKLAMATIONEN PER LINK BESCHLEUNIGEN

Die Qualitätsmanagementabteilung ist parallel dazu bis ins Detail zu jeder Reklamation informiert. Möglich wird das durch sogenannte WFOs, die Workflow-Objetcs. Das ist ein Link, der durch den Vertriebsmitarbeiter nach Aufnahme der Reklamation einfach per E-Mail an das Qualitätsmanagement verschickt wird. Ein Klick darauf und schon öffnet sich in CASQ-it der entsprechende Reklamationsvorgang: Welcher Fehler trat an welchem Produkt bei welchem Kunden auf? Welche Charge ist betroffen und muss gegebenenfalls gesperrt werden? Welche Sofort- und Abstellmaßnahmen müssen initiiert werden? Durch die WFOs ist das HONSEL-Qualitätsmanagement unmittelbar nach Auftreten einer Reklamation handlungsfähig und kann ohne jegliche Zeitverzögerung aktiv in den Prozess eingreifen.

MIT DER GELEBTEN FMEA IM AUDIT ÜBERZEUGEN

Das gewonnene Wissen aus Kunden- und Lieferantenreklamationen sowie internen Meldungen fließt sofort in die FMEA ein und erweitert so die Wissens-Datenbank des Unternehmens. Denn die Basis-FMEAs in CASQ-it konzentrieren alle qualitätsrelevanten Informationen eines Produkts oder eines Prozesses. Merkmale, Funktions- und Fehlfunktionsnetze, Risikoprioritätszahlen, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten sind hier wie in einer Art Erfahrungsbibliothek zusammengefasst und für die Mitarbeiter von unschätzbarem Wert. Denn diese Basis-FMEAs müssen, abhängig vom Bauteil oder dem Prozess, nur noch minimal spezifiziert werden. Dabei werden die FMEA-Moderatoren von selbstlernenden Katalogen unterstützt, die anhand der ersten getippten Buchstaben eigenständig die passenden Inhalte vorschlagen.

Ob neuer Fertigungsauftrag oder Entscheidung über Verlagerung eines Produktionsschrittes an Lieferpartner: Binnen kürzester Zeit stellen die Mitarbeiter aus den 22 Basis-FMEAS die transparente Risikobetrachtung zusammen und haben eine belastbare Analyse der möglichen Produkt- und Prozessschwachstellen zur Qualitätsvorausplanung. Ein unverzichtbares Hilfsmittel bei der Kommunikation mit potenziellen Lieferanten, aber vor allem im Gespräch mit den Kunden. Denn vor allem die OEM sind bei den rund zwei Kundenaudits pro Monat überzeugt von der intensiven Risikobetrachtung im CAQ-System und der detaillierten Maßnahmendefinition zur vorausschauenden Fehlervermeidung.

Die Erfolgsgeschichte von HONSEL zeigt, dass die konsequente und kompromisslose Ausrichtung auf Premiumqualität zum Erfolgsfaktor werden kann. Und das mit einem CAQ-System genau dieser Weg – trotz strengster Regularien, wachsender Kundenansprüche und stetigem Preiskampf im Markt der C-Teile  – in der Qualitätssicherung effizient umzusetzen ist.